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Sport- und Bewegungstherapie, Krankengymnastik und physikalische Therapievon
Dr. Bettina Begerow Die Skelettmuskulatur ist ein zentraler therapeutischer Ansatzpunkt, da sie zum einen eine hohe Verantwortlichkeit für Stürze und somit für sturz-assoziierte Frakturen einnimmt, und weil sie zum anderen ein relativ schnell und gezielt beeinflußbares Organ ist. Muskelkraft korreliert mit Knochendichte und Knochenbrüchen des jeweiligen Areals und entscheidet mit über den Grad der Limitationen im Alltag. Außerdem läuft die Verbesserung der Muskelkraft parallel zu einem Anstieg der Befindlichkeit und einer Verringerung der Schmerzwahrnehmung. Eine verminderte Körperschwankung senkt das Sturzrisiko und trägt somit zu einer Verminderung sturz-bedingter Frakturen bei. Die Trainingstherapie kann durch die Stimulation der Muskel-Sehnen-Knochen-Einheit zum Erhalt der Knochensubstanz beitragen; im Vordergrund der Bewegungstherapie stehen aber Sturzprophylaxe und erhöhte Leistungsfähigkeit im Alltag über die Verbesserung von Muskelkraft und -koordination. Weitere Merkmale des Trainingsprozesses liegen in der Verbesserung der Ausdauer, der Beweglichkeit und der Bewegungsökonomie. Insgesamt verhelfen diese Faktoren zu erweiterter Mobilität, zu mehr Sicherheit im Alltag und darüber zur Unterstützung der Eigenständigkeit. Sport- und Bewegungstherapie, sowie Physiotherapie dienen somit der Schulung, Übung und dem Training dieser therapeutisch wirksamen und hilfreichen motorischer Fähigkeiten und Funktionen und trägt wesentlich zur Sturz- und Frakturprophylaxe bei. Darüber hinaus hebt die Befähigung zur Teilnahme am sozialen Leben das Selbstvertrauen. Es wird damit dem Leiden der Patienten und der Progredienz der Erkrankung entgegengetreten, wodurch rehabilitative Massnahmen durch Vermeidung von Folgekosten auch zur Senkung von Kosten im Gesundheitswesen beitragen. Aufgabe der Sport- und Bewegungstherapie und der Krankengymnastik ist es außerdem, gemeinsam mit dem Patienten einen Therapieplan mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen festzulegen und die Wirkungsweise der angesetzten Therapie zu erläutern. Informationen über die Erkrankung und ihre Therapiemöglichkeiten können die Patienten zur Übernahme von Eigenverantwortung für ihre Gesundheit motivieren und sie aktiv in den Rehabilitationsablauf integrieren. Auf diese Weise kann es auch gelingen, für jeden Patienten eine langfristige Bewegungsform zu finden, die seinen Neigungen, Vorerfahrungen und seinem Krankheitsbild entgegenkommt. Für viele Patienten ist die Bewegungstherapie in der Gruppe eine Hilfe zur Stabilisierung, und die Umstellung von Lebensgewohnheiten läßt sich leichter umsetzen, da Menschen mit ähnlicher Problematik ihre Ziele gemeinsam angehen. Die Bewegungstherapie kann, entsprechend der klinischen Schweregrade der Erkrankung auf verschiedene Schwerpunkte fokussieren.
Das Ziel der Bewegungstherapie ist der Aufbau der Maximalkraft als Gegenmaßnahme zur sukzessiven Muskelatrophie. Ein Zusatzangebot stellt die Verbesserung der aeroben Ausdauerleistung dar.
Je nach „body mass index“ (BMI) kann auch ein zusätzlicher Kalorienverbrauch
erzielt werden, da bei Verschiebung der aerob-anaeroben Schwelle hin zu einer
prozentual höheren Maximal-leistung vermehrte Fettverbrennung stattfindet. Schweregrad 1: In diese Kategorie fallen Männer und Frauen,
vorwiegend sind jedoch Frauen in der Postmenopause betroffen. Die Patienten
sind frakturgefährdet, und alle eingesetzten Therapien sollen Frakturen verhindern
bzw. das Risiko für ihr Auftreten senken.
Eine zusätzliche Bewegungsform sollte aus dem Bereich der Ausdauer sein,
z.B. Schwimmen, Wandern oder Spazierengehen, je nach Vorliebe, Alter und
allgemeiner Konstitution. Schweregrade 2 und 3 beinhalten Patienten mit Osteoporose (Knochendichte unter -2,5 Standardabweichungen im T-Score), die bereits eine oder multiple Frakturen erlitten haben. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere, Frauen häufiger als Männer. Diese Patienten sind stark frakturgefährdet. Für eine gezielte Bewegungstherapie ist eine zusätzliche Unterscheidung hinsichtlich der Frakturfrische hilfreich. Das Therapieziel ist die Vermeidung von Stürzen und die Erhaltung bzw. die Verbesserung der Mobilität und Eigenständigkeit.
Zu erwähnen seien im Besonderen :
Als physikalische Therapeutika sind Moorbäder, Fangopackungen, sowie Hydrotherapie (Kneipp‘sche Güsse, Stangerbäder, Solewannenbäder, Kohlensäure-Eisenbäder) und Elektrotherapie (Ultraschall, Iontophorese, Interferenz) sehr erfolgreich, sie regen die Stoffwechselaktivitäten an, unterstützen die Wirksamkeit der physikalischen Therapien und tragen zur Regeneration und zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Zusätzlich sollte eine spezielle ergotherapeutische Behandlung zum Gehtraining und eine Beratung zum Umgang mit Hilfsmitteln angeboten werden (Rückenorthese, Hüftprotektor „safehip“, spezielles Mobiliar, Küchen- oder Anziehhilfen). |