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Gesundheitspolitische Aktivitäten

Als vor 11 Jahren die Klinik "DER FÜRSTENHOF" eröffnet wurde, galt in weiten Kreisen der Bevölkerung, auch unter Ärzten und Gesundheitspolitikern, dass es sich bei den Osteoporosen um schlichte Alterserscheinungen handele, die man hinzunehmen habe, dass die Beschäftigung mit betroffenen Patienten wohl eher den Modeerscheinungen zuzuordnen sei, mit anderen Worten, dass es sich hierbei um ein überflüssiges, verzichtbares Metier handele.

Noch vor wenigen Jahren zitierte der "Spiegel" ein Mitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit den Worten, die Therapie sei generell umstritten und man solle nur allen Frauen Hormone geben, weil dies das Gerede um die Osteoporosen zum Schwinden bringen könne.

Noch im April des Jahres 2000 wurde zum Gesetz, dass die osteodensitometrische Diagnostik der Osteoporose erst dann als Kassenleistung zulässig sei, wenn ein Patient erste Knochenbrüche als Spätkomplikation erlebt habe.

Ist "DER FÜRSTENHOF" also eine Klinik, die sich mit Unwichtigem und Banalem beschäftigt?

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Krankheitsfolgen für die Patienten:

  • Der Schmerz des Wirbelbruches wird von vielen Patienten als der schlimmstvorstellbare und am längsten anhaltende Schmerz geschildert, häufig resistent gegenüber allen Behandlungsversuchen.
  • Mit fortschreitender Krankheit, die dann üblicherweise multiple Wirbelkörper zum Einbruch bringt, folgen einschneidende Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, chronische Beschwerden sowie ein Verlust an Selbständigkeit bei alltäglichem Handeln und Bedrohung der Berufsfähigkeit sind die Folge.

Besonders leiden diese Patienten jedoch darunter, dass ihnen häufig diese Beschwerden nicht geglaubt werden, dass sie als eingebildete Kranke abgestempelt werden, ihnen Simulantentum oder schmarotzerhaftes Verhalten unterstellt wird.

Besonders einschneidende sozialmedizinische Folgen hat der Oberschenkelhalsbruch: 20% der Betroffenen werden versorgungspflichtig invalide, die Hälfte der Betroffenen findet nach dem Ereignis nicht mehr zur ursprünglichen Mobilität und selbstständigen Handlungs-fähigkeit zurück. Diese Folgen werden zum unüberwindlichen Hindernis bei alltäglichen Verrichtungen wie Bekleiden, Körperhygiene oder Selbstversorgung.

Diesen Widerspruch zwischen der Krankheitswahrnehmung auf der einen Seite und den Krankheitsfolgen auf der anderen Seite aufzulösen, ist seit der Gründung der Pyrmonter Klinik auch Ziel umfangreicher Bemühungen.

Mitarbeiter der Klinik sind aktiv in Organisationen und Verbänden tätig, die sich die Anerkennung der Osteoporosen als ernstzunehmende Krankheit zum Ziel gesetzt haben, so u.a.

  • im Dachverband der deutschsprachigen osteologischen Gesellschaften.
  • im schon vor mehr als 10 Jahren gegründetem Patientenverband, dem Kuratorium Knochengesundheit.
  • in der "International Osteoporosis Foundation", die als Dachverband die Aktivität von weltweit 120 Fachgesellschaften und Patientengesellschaften bündelt, hier nicht nur als Mitglied im Aufsichtsrat der Stiftung, sondern auch als Herausgeber des Sprachrohres "Osteoporosis Action".
  • bei der Leitung einer Arbeitsgruppe Osteoporose im Rahmen der internationalen "Bone and Joint Decade", deren deutsche Sektion sich inzwischen der aktiven Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums erfreuen darf, (das erste Jahrzehnt im neuen Jahrtausend wurde durch die WHO zur Dekade der Knochen und Gelenke erklärt).
  • bei der Schaffung von Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Osteoporose, die entsprechend den Richtlinien einer "Evidence based Medicine" aufgebaut werden.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt dabei, dass natürlich die Wahrnehmung der sozialmedizinischen Folgen der Osteoporosen durchaus zum Motor für eine Anerkennung der Bedeutung dieser Krankheit wird. Das jedoch überzeugendste und schlagendste Argument ist der Hinweis auf die gesundheitsökonomischen Folgen der Osteoporosen.

Inzwischen wird wahrgenommen, dass es unerträglich ist, wenn weniger als 10% der Beträge, die jährlich für die Behandlung osteoporotischer Knochenbrüche aufgebracht werden, zur Frühdiagnostik und zur Therapie der Osteoporosen zur Verfügung gestellt werden, und dies, obwohl durch Frühdiagnostik und angemessene Therapie die Mehrzahl dieser Knochenbrüche verhindert werden könnte.

Es wird also nicht mehr lange dauern, bis auch in Deutschland anerkannt wird, dass die Osteoporosen der Gruppe der chronischen Krankheiten zuzuordnen sind, die wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und Altersdiabetes dazu beitragen können, die Lebensmöglichkeiten mit zunehmendem Alter entscheidend zu begrenzen.

Es zeigt sich nämlich, dass auch die Osteoporosen im Alter nicht nur die Lebensmöglichkeiten begrenzen sondern auch die Lebenserwartung. Es sterben jährlich zehntausende Bundesbürger vorzeitig als Folge osteoporotischer Knochenbrüche, mittelbar verursacht durch das frakturbedingte Krankenlager mit den Bedrohungen durch eine Akzentuierung der im Alter häufig vorkommenden Multimorbidität.

So wird es nicht zuletzt auch ein Verdienst der Aktivitäten aus Bad Pyrmont sein, wenn zukünftig in Deutschland die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie besser genutzt werden als in der Vergangenheit.